Seit dem Berlin Tea Festival im vergangenen Herbst und der dortigen ersten Begegnung mit der energiegeladenen Co-Gründerin der Teecompany Kazi Yetu, Tahira und Ihrer englischen Vertriebspartnerin Sarah, hat mich der Gedanke nicht mehr losgelassen, die Teefirma in Afrika besuchen zu wollen und mir vor Ort einen persönlichen Eindruck von den GründerInnen des auf hohen landwirtschaftlichen Standards mit biodynamischen Praktiken, fairen Werten und Transparenz ausgerichteten Unternehmens und den engagierten MacherInnen der köstlichen Tees einzuholen.
Kazi Yetu, „Unsere Arbeit“ auf Swahili, stellen Gourmet-Lebensmittel und -Getränkeprodukte her, die ausschließlich in Ostafrika produziert werden.
Das Unternehmen setzt sowohl auf Nachhaltigkeit als auch auf die Stärkung lokaler Gemeinschaften. Die Schaffung von Arbeitsplätzen für Frauen ist das vorrangige Unternehmensziel, ebenso wie die Unterstützung von 2500 Kleinbauern, die einen fairen Premiumpreis für die Ernte erhalten. Der Fokus liegt darauf, die Lebensbedingungen in Ostafrika zu verbessern, indem die Wertschöpfung der Produktion in Tansania stattfindet.
Meine Reise startet in Zanzibar, der vor Tansania vorgelagerten Insel der Gewürze. Zimt, Kardamom, Sternanis etc. werden in dem lokalen Masala Chai verwendet, den man an jeder Ecke bekommt. Auch Kazi Yetu verwendet diese Gewürze in einem ihrer leckeren tea blends, dem köstlichen „Zanzibar Chai“.
Von Zanzibar geht es mit der Fähre nach Dar es Salaam, dem Hauptsitz von Kazi Yetu. Tahira, mit der ich mich recht spontan verabredete, holt mich von meiner Unterkunft ab und wir fahren gemeinsam zu ihrer Firma. Sie erzählt wie sie das Unternehmen gemeinsam mit ihrem deutschen Mann Hendrik vor 6 Jahren startete, den Herausforderungen und Erfahrungen, erklärt woher der Tee kommt und zeigt mir dabei die Hallen, in denen die Teemischungen hergestellt und abgepackt und gelagert werden. Anschließend gehen wir einen Stock höher und sie macht mich mit dem Management bekannt.
Ich bin sehr gerührt, wie mich die Belegschaft empfängt, stelle noch die ein oder andere Frage, bis wir darüber einig sind, dass ich mich hinsichtlich des Vertriebes für Kazi Yetu Tee in Deutschland einsetzen werde.
Ich verabschiede mich, denn am nächsten Tag geht es mit dem Bus in den Nortosten von Tansania, in die Usambara Berge, um die Orte zu besuchen, wo der Tee angebaut und verarbeitet wird.
Frühmorgens geht es am Busbahnhof in Dar es Salaam los. Sieben Stunden Fahrt nach Lushoto, einer hochgelegenen Stadt, in die sich schon die Deutschen aus der heißen Ebene in die Kühle flüchteten, erwarten mich. Von Lushoto gehts am nächsten Tag in einem abgetakeltem Jeep weiter nach Sakare, einem kleinen Ort in den Usambara Bergen, in dem die Teefabrik steht. Die Straßen sind abenteuerlich, die Landschaft ein Traum.
In Sakare angekommen, werde ich herzlich empfangen vom Manager der Teefabrik und dem Geschäftsführer der Kooperative. Beide zeigen mir die Fabrik und erzählen mir von der Kooperation mit Kazi Yetu.
Im Jahr 2023 gründete Kazi Yetu in Zusammenarbeit mit der Sakare-Teeproduzenten-Kooperative das erste genossenschaftlich geführte Spezialtee-Unternehmen in Tansania, die Sakare Specialty Tea Co. (SSTC)
Die Teeblätter, die hier verarbeitet werden, stammen von einer 8 Hektar großen Bio-Teeplantage sowie von kleinbäuerlichen Erzeugern aus der Region. Anschließend werden sie in einer handwerklichen Kleinproduktionsstätte verarbeitet, die hochwertige, sortenreine Spezialtees mit einer besonderen Geschichte herstellt.
Die Zusammenarbeit zwischen Kazi Yetu und SSTC gibt Frauen in der Tee-Wertschöpfungskette mehr Einfluss. Sie erhalten Zugang zu Schulungen für Spezialtee und den Gebrauch von Maschinen zur orthodoxen Tee-Verarbeitung und verfügen damit über mehr finanzielle Mittel.
Über holprige Wege, die eher zum Wandern einladen, geht es in die grüne Wildnis der Usambara Berge. Verwilderte Teeplantagen in hügeliger Landschaft ziehen an uns vorbei und nach den letzten Metern, die wir zu Fuß in einem Urwald mit alten Teebäumen und großen Farnen zurücklegen, taucht wie aus dem Nichts, eingebettet in einen riesigen Eukalyptuswald, die Teeplantage von Kazi Yetu auf. Die Tee-Pflückerinnen freuen sich, uns zu sehen und begrüßen uns mit einem freundlichem Hallo.
Ich bin überwältigt von der Schönheit des Ortes und sofort kommt ein heimeliges Gefühl hoch. Wenn es irgendwo eine heile, friedliche Welt gibt, dann liegt sie mir hier zu Füßen. Umgeben von wunderbar gedeihenden Teepflanzen geht mein Herz auf.
Und: es fühlt sich nach dieser langen und nicht gerade bequemen Reise einfach auch so gut an, angekommen zu sein- an dem Ort, der mir auf einer Video-Wand in Berlin zum tea festival im vergangenen November das erste Mal begegnete.